{"id":1209,"date":"2021-09-20T15:47:44","date_gmt":"2021-09-20T15:47:44","guid":{"rendered":"https:\/\/ehemalige-wg.de\/?page_id=1209"},"modified":"2021-10-15T18:27:51","modified_gmt":"2021-10-15T16:27:51","slug":"lateinunterricht-am-wg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ehemalige-wg.de\/index.php\/lesenwertes\/lateinunterricht-am-wg","title":{"rendered":"Lateinunterricht am WG"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Unterrichtsf\u00e4cher am heutigen WG<\/h1>\n\n\n\n<p><a href=\"#latein2021\">Lateinunterricht am WG: 2021<br><\/a><a href=\"#latein2005\">Lateinunterricht am WG: 2005<\/a><br><a href=\"#latein1900\">Latein am WG: um 1990<\/a><br><a href=\"#caesar\">Pers\u00f6nlicher Nachtrag, betr. die Caesar-Lekt\u00fcre<\/a><br><a href=\"#latein1910\">Latein am WG: um 1910<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"latein2021\"><br><br>Lateinunterricht am WG 2021<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Lateinunterricht ist ein fester Bestandteil des Curriculums unserer Schule. So lernen alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler des Wilhelm-Gymnasiums von der 5. bis zur 10. Klasse Latein, wobei sich die Stundenzahl in den einzelnen Jahrgangsstufen unterscheidet: vier Wochenstunden in Jahrgang 5 und 6, f\u00fcnf Wochenstunden in Jahrgang 7 sowie drei Wochenstunden in den Jahrg\u00e4ngen 8-10.<\/p>\n\n\n\n<p>In den ersten Jahren erfolgt die sogenannte `Spracherwerbsphase\u00b4, in der neben dem Grundwortschatz zentrale Ph\u00e4nomene der lateinischen Grammatik wie etwa Konjugationen, Deklinationen sowie Konstruktionen wie der AcI oder Ablativus absolutus erarbeitet werden. In dieser Spracherwerbsphase wird dabei mit dem modernen, da motivierend sowie abwechslungsreich gestalteten lateinischen Lehrwerk \u201eCursus\u201c gearbeitet. In zahlreichen Lektionen dieses Lateinbuchs erfahren die SuS w\u00e4hrend der ersten zwei Jahre sehr viel Wissenswertes \u00fcber zentrale Elemente des&nbsp; r\u00f6mischen Alltagslebens wie etwa \u00fcber r\u00f6mische Thermen, das Kolosseum, das Leben der Sklaven, die Pferderennen im Circus Maximus, das r\u00f6mische Stra\u00dfenwesen, r\u00f6mische Essgewohnheiten, die r\u00f6mische Religion, das Theater, die Feuerwehr oder den Limes. Von Beginn des Lateinunterrichts an werden die SuS dabei immer wieder auch daf\u00fcr sensibilisiert, dass viele Fremd- und Lehnw\u00f6rter aus dem Lateinischen stammen und Latein als `regina linguarum\u00b4 nicht nur die `mater\u00b4 der romanischen Sprachen ist, sondern auch das Englische stark beeinflusst hat.&nbsp; Bereichert wird der Unterricht in Jahrgang 6 durch den sogenannten `Dies Latinus\u00b4. W\u00e4hrend dieses sehr beliebten und ereignisreichen Erlebnistages kommen G\u00e4ste in unsere Schule (Museumsp\u00e4dagogen sowie Mitglieder der sog. Gladiatorenschule `Ludus Nemesis\u00b4), die den Sechskl\u00e4sslern vermitteln, wie Arch\u00e4ologen arbeiten, wie R\u00f6mer Amulette oder Mosaike hergestellt und Gladiatoren gelebt und gek\u00e4mpft haben. Ab Jahrgang 7 r\u00fccken vor allem Stoffe des r\u00f6mischen Mythos sowie der r\u00f6mischen Geschichte in das Zentrum der Betrachtungen wie etwa die Erz\u00e4hlungen rund um den r\u00f6mischen Stammvater Aeneas, die Gr\u00fcndungssage Roms, der Raub der Sabinerinnen oder die Kaiser Augustus und Nero.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der `Spracherwerbsphase\u00b4 beginnt ab dem 2. Halbjahr der 8. Klasse die sogenannte `Lekt\u00fcrephase\u00b4. Alle Achtkl\u00e4ssler lesen dabei zun\u00e4chst die aus den <em>Gesta Romanorum<\/em> stammende mittelalterliche Schrift <em>Der junge Ionathas<\/em>, in der das Leben und Heranwachsen des jungen K\u00f6nigssohnes Ionathas erz\u00e4hlt wird, der durch die Verwendung magischer Gegenst\u00e4nde in seinem Leben zun\u00e4chst auf Abwege ger\u00e4t und \u2013 wie in einem klassischen Initiationsroman \u2013 dann eine innere Entwicklung durchl\u00e4uft. Bereichert wird diese bei den SuS durchaus gesch\u00e4tzte Einstiegslekt\u00fcre durch die Bearbeitung von Begleittexten zur mittelalterlichen Gesellschaft und zu antiken biblischen Quellen. Im Jahrgang 9 erfolgt die obligatorische Lekt\u00fcre zweier Autoren: Zum einen lesen die SuS Ausz\u00fcge aus Caesars <em>Bellum Gallicum<\/em>, wobei neben historischen Aspekten vor allem Caesars Exkurse \u00fcber Gallier und Germanen sowie Caesars literarische Technik der Leserlenkung ein besonderes Interesse erfahren. Zum anderen erfolgt die \u00dcbersetzung und Interpretation ausgew\u00e4hlter Texte aus der `Antikriegsschrift\u00b4 <em>Querela pacis<\/em> des Humanisten Erasmus von Rotterdam. Fakultativ kann je nach Belieben der Lehrkraft noch eine weitere Schrift gelesen werden, wobei sich u.a. Geschichten aus der <em>Vulgata<\/em> eignen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im 1. Halbjahr des 10. Jahrgangs r\u00fccken die antike Rhetorik sowie der Autor Cicero in das Zentrum der Unterrichtsarbeit. So werden Grundlagen der antiken Rhetorik erarbeitet (wie die `officia oratoris\u00b4 oder die `partes orationis\u00b4), Ausz\u00fcge aus einer Rede Ciceros gelesen (wie etwa aus der Rede <em>In Catilinam<\/em> oder <em>Pro Ligario<\/em>) sowie moderne Reden und ihre Wirkm\u00e4chtigkeit zum Vergleich herangezogen. Die Lekt\u00fcrephase im 10. Jahrgang endet im 2. Halbjahr schlie\u00dflich mit der Lekt\u00fcre eines Dichters, wobei je nach Auswahl der Lehrkraft entweder Ausz\u00fcge aus Ovids <em>Metamorphosen<\/em>, Catulls Liebesgedichten oder Martial <em>Epigrammen<\/em> gelesen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach sechs Jahren Latein w\u00e4hlen viele SuS am WG erfahrungsgem\u00e4\u00df Latein beim \u00dcbergang in die Oberstufe ab, um sich dort auf ihre Profile und Neigungen zu konzentrieren. Sie haben dann bei ausreichenden Leistungen in der Regel das \u201eLatinum\u201c (am Ende des Jahrgangs 9) oder das \u201eGro\u00dfe Latinum\u201c (am Ende des Jahrgangs 10) erhalten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt aber auch nicht wenige SuS, die Latein auch in der Oberstufe belegen, entweder in einem zweist\u00fcndigen Grundkurs oder in einem vier- bis sechsst\u00fcndigen Profilkurs, der in etwa dem ehemaligen Leistungskurs entspricht. W\u00e4hrend der vier Semester besch\u00e4ftigen sich die SuS laut Rahmenplan mit den folgenden vier Bereichen: (A) Antike Geschichtsschreibung, (B) Erleben der Welt in poetischer Gestaltung, (C) Antworten der Philosophie auf Fragen des Lebens, (D) Staat und Gesellschaft in Antike, Mittelalter und Neuzeit. Die konkrete Gewichtung dieser Arbeitsbereiche richtet sich oft nach den Abiturautoren, zu denen in den letzten Jahren folgende Schriftsteller geh\u00f6rten: Cicero (<em>De re publica<\/em>), Seneca (<em>Epistulae ad Lucilium<\/em>), Vergil (<em>Aeneis<\/em>) sowie Ovid (<em>Metamorphosen<\/em>). Dabei war es f\u00fcr uns Lateinlehrerinnen und Lateinlehrer immer wieder erfreulich, wie gro\u00dfartig nicht wenige Abiturientinnen und Abiturienten Latein nach acht Jahren Lateinunterricht beherrschen, was allein die sehr guten Abiturklausuren in den letzten Schuljahren dokumentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Hamburg, im Juni 2021<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Volker Janning, OStR (Fachleitung Alte Sprachen; Lehrer f\u00fcr Griechisch, Latein und Philosophie)<\/p>\n\n\n\n<p><br><a href=\"#top\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"latein2005\"><br><br>Lateinunterricht am WG 2005<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach Gespr\u00e4chen mit den Lehrern, die zur Zeit am WG das Fach Latein unterrichten, auch mit Sch\u00fclern und mit Eltern, ist das Bild ziemlich klar &#8211; und der versprochene Bericht leicht zu erstellen. &#8211; Also: Der Unterricht in Latein gliedert sich nach wie vor in die drei \u00fcberlieferten Phasen: Anfangsunterricht nach einem Lehrbuch; &#8211;&nbsp; danach: Mittelstufenlekt\u00fcre; &#8211; und schlie\u00dflich &#8211; als Kr\u00f6nung &#8211; : die Lekt\u00fcre der klassischen Autoren in der Oberstufe.<br><br>Ehemalige, die ihre Texte noch im Kopf haben, werden sofort einfallen: &#8222;Quarum omnium lectionum turba est omnis divisa in partes tres, quarum unam obtinent &#8230;, alteram &#8230;, tertiam, qui ipsorum nomine Celtae, nostra Galli appellantur &#8230;&#8220;. &#8211; Genau hier aber liegt der entscheidende Unterschied: Caesar, zur Schulzeit vieler Ehemaliger selbstverst\u00e4ndliche Mittelstufenlekt\u00fcre, ist nach den neuen Lehrpl\u00e4nen verp\u00f6nt, geradezu verboten.<br><br>In Hamburg hat es etwa drei\u00dfig Jahre gedauert, bis diese Tendenz sich auch in den Lehrpl\u00e4nen durchgesetzt hat. Einer der ersten, der in der \u00d6ffentlichkeit engagiert und temperamentvoll f\u00fcr die Abkehr von der \u00fcberlieferten Caesar-Lekt\u00fcre und einer Hinwendung zu neueren Texten geworben hat, war in den siebziger Jahren Manfred Fuhrmann, Professor in Konstanz, mit seiner Streitschrift &#8222;Caesar oder Erasmus? &#8211; \u00dcberlegungen zur lateinischen Anfangslekt\u00fcre&#8220; (jetzt bequem greifbar in dem Sammelb\u00e4ndchen &#8222;Alte Sprachen in der Krise?&#8220;, ISBN 3-12-922250-2). &#8211; Er hat sich (bei einem Au\u00dfenseiter, der von der Universit\u00e4t kommt, nicht selbstverst\u00e4ndlich) auf der ganzen Linie durchgesetzt; jetzt, in den vorliegenden Lehrpl\u00e4nen, auch in Hamburg.<br><br>Unsere Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen lesen also, wenn sie nach drei Jahren den Grundlehrgang hinter sich gebracht haben (\u00fcbrigens nach einem durchaus ansprechenden Lehrwerk: Ostia altera, viele bunte Bilder, viele Informationen zum antiken Leben, akzeptable Texte und ein leicht modernistisches Grammatikvokabular, das nicht allen Lehrern gef\u00e4llt):<br><br>Erasmus, Colloquia familiaria: Alltagsgespr\u00e4che \u00fcber alles und jedes: Begr\u00fc\u00dfungsformeln, Befehle an Untergebene, Impressionen \u00fcber wundervolle Hotels in Frankreich (und grauenhafte in Deutschland), Beichte eines Soldaten nach seinen Fronterlebnissen, &#8211; und eines Matrosen nach den furchtbaren Erfahrungen auf hoher See. &#8211; daneben: Fabeln von Phaedrus (Fuhrmann: &#8222;Wie viele Stunden lassen sich mit ihm bestreiten, ohne da\u00df die Kinder der W\u00f6lfe, L\u00e4mmer, Fr\u00f6sche, Ochsen usw. \u00fcberdr\u00fcssig werden?&#8220;); &#8211; au\u00dferdem: die Geschichten von Joseph und seinen Br\u00fcdern aus der Vulgata; und &#8211; nat\u00fcrlich: eine Auswahl aus den Carmina Burana.<br><br>Damit gehen fast drei Jahre hin (nach den drei Jahren Anfangsunterricht). &#8211; Zum Schlu\u00df bleibt dann in der Regel noch etwa ein halbes Jahr f\u00fcr eine erste Cicero-Lekt\u00fcre: In Catilinam. &#8211; Die Begeisterung der Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen, von der Manfred Fuhrmann getr\u00e4umt hat, stellt sich dabei &#8211; nach allem, was man h\u00f6rt &#8211; nur sehr begrenzt ein. &#8211; Jeder wei\u00df es ja: Nach der ersten Faszination im Lateinunterricht der Unterstufe droht im allgemeinen das ber\u00fcchtigte &#8222;Mittelstufenloch&#8220;. Und das gibt es leider nach wie vor, auch mit den sch\u00f6nen Fuhrmann-Texten.<br><br>Woran es liegt? Nach meinem pers\u00f6nlichen Eindruck nicht zuletzt an den beh\u00f6rdlich verordneten Lehrpl\u00e4nen. Denn jeder wei\u00df auch dies: Wenn ein Lehrer die Klasse betritt und sagt: &#8222;Wir haben jetzt lange genug Caesar gelesen, die Texte waren auch auf ihre Art durchaus interessant, manchmal faszinierend, aber nun habe ich ein paar ganz andere Sachen entdeckt, was haltet ihr davon &#8230;?&#8220;, dann kann eine Art&nbsp; Pionier- und Forschergeist entstehen, allein durch das Bewu\u00dftsein, etwas anderes, Besonderes, noch nie Dagewesenes zu traktieren, und der Unterricht kann unter der Hand befl\u00fcgelt werden. &#8211; Sobald aber dies alles beh\u00f6rdlich verordnet ist, wom\u00f6glich mit der zus\u00e4tzlichen Ank\u00fcndigung: &#8222;In drei Monaten wird dar\u00fcber eine Vergleichsarbeit geschrieben&#8220;, dann werden die sch\u00f6nsten Texte zu langweiligen und eher \u00f6den Pflichtobjekten. &#8211; Schade drum.<br><br>Von den eigentlich klassischen Texten haben die Sch\u00fcler also bis zum Ende der Klasse 10 &#8211; nach sechs Jahren Latein &#8211; im besten Fall eine Cicero-Rede (In Catilinam) in Auswahl gelesen. &#8211; Das ist nicht viel.<br><br>Es folgt die Klasse 11, die sog. &#8222;Vorstufe&#8220;. Grunds\u00e4tzlich haben die Sch\u00fcler die M\u00f6glichkeit, Latein nach Klasse 10 abzuw\u00e4hlen, aber die meisten bleiben dabei, nicht zuletzt wegen des&nbsp; Latinums, das erst nach Klasse 11 vergeben wird. &#8211; Viele allerdings verbringen dieses Schuljahr im Ausland (England, Amerika &#8230;), wo sie entweder (an Privatschulen) &#8222;hervorragenden&#8220; oder (in den meisten F\u00e4llen) gar keinen Lateinunterricht haben.<br><br>Diejenigen, die bleiben, erleben jetzt zum ersten Mal ausgedehntere Autoren-Lekt\u00fcre, zur Zeit vorwiegend: Catull, &#8211;&nbsp; Plinius (Briefe), &#8211;&nbsp; Ovid (ars amatoria).<br><br>Die eigentliche Oberstufen-Lekt\u00fcre (Klasse 12 und 13) bleibt nur wenigen vorbehalten, die sich f\u00fcr Grund- oder Leistungskurse in diesem Fach entscheiden. Die Sch\u00fclerzahlen sind allerdings z.Zt. so gering, da\u00df ein einziger geplagter Lehrer alle Kurse zusammen unterrichten mu\u00df (Entscheidung der Schulbeh\u00f6rde): Grundkurs Klasse 12, Leistungskurs Klasse 12, Grundkurs Klasse 13, Leistungskurs Klasse 13 &#8230;; &#8211; keine paradiesischen Zust\u00e4nde.<br><br>Der Unterricht findet streng nach Lehrplan statt, nicht zuletzt in Hinblick auf das kommende zentrale Abitur. Wer die Lehrpl\u00e4ne kennt, wei\u00df, da\u00df heute nicht mehr von Autoren die Rede ist, sondern von &#8222;Semesterthemen&#8220; (eine sp\u00e4te Nachwirkung der hessischen und bayerischen Lehrpl\u00e4ne der siebziger Jahre).<br><br>In den Klassen 12 und 13 sind insgesamt vier Semester zu f\u00fcllen.<br><br>Semesterthema (1): &#8222;Antike Geschichtsschreibung&#8220;. &#8211; Zur Auswahl: Sallust, Caesar, Livius, Tacitus; &#8211; Sallust: unter dem Thema: &#8222;Recht und Notstand&#8220;; &#8211; Tacitus: &#8222;Kaiser Nero: Populist, Psychopath, Alleinherrscher&#8220;; &#8211; man sieht, an welche Auswahl jeweils gedacht ist.<br><br>Semesterthema (2): &#8222;Erleben der Welt in poetischer Gestaltung&#8220;. &#8211; Zur Auswahl: Ovid, Vergil, Horaz, Archipoeta.<br><br>Semesterthema (3): &#8222;Antworten der Philosophie auf Fragen des Lebens&#8220;. &#8211; Zur Auswahl vor allem: Cicero, Seneca.<br><br>Semesterthema (4): &#8222;Staat und Gesellschaft in Antike, Mittelalter und Neuzeit&#8220;. &#8211; Zur Auswahl: Plautus, Cato, Cicero, Plinius, Livius, Seneca, Tacitus usw.; &#8211; u.a. auch: Carmina Burana, unter dem Schwerpunktthema: &#8222;M\u00f6nche, Nonnen und Vaganten&#8220;.<br><br>Wer nachrechnen m\u00f6chte: W\u00e4hlt ein Kurs oder ein Lehrer unter den vier Semesterthemen (1) Caesar &#8211; (2) Ovid &#8211; (3) Cicero &#8211; (4) Carmina Burana, dann bleiben sogar den Leistungskurssch\u00fclern u.a. die folgenden Autoren g\u00e4nzlich unbekannt: Sallust &#8211; Livius &#8211; Tacitus &#8211; Vergil &#8211; Horaz -Seneca &#8211; Plautus &#8211; Terenz &#8211; Lukrez.<br><br>Man sieht: Das Fach Latein hat zu k\u00e4mpfen, nicht zuletzt mit den Vorgaben der Beh\u00f6rde, die vieles, was gut und sinnvoll w\u00e4re, verhindert.<br><br>Und: Zu den Vorgaben geh\u00f6rt eben auch dies: da\u00df die freie Auswahl, etwa der Geschichtsschreiber, die man sich nach dem Lehrplan vorstellen k\u00f6nnte, g\u00e4nzlich illusorisch wird, wenn in den Vorgaben f\u00fcrs zentrale Abitur von vornherein festgelegt wird: Im Abitur: diesmal ein Text von Caesar.<br><em>An dieser Stelle standen bisher zwei Texte \u00fcber Manfred Fuhrmann, der durch seine Arbeit den Lateinunterricht, auch am WG, erheblich beeinflu\u00dft hat; wir hatten durch unsere Eintragung auf dem Schwarzen Brett ausdr\u00fccklich darauf hingewiesen.- Auf mehrfachen Wunsch hin sind die Texte jetzt unter &#8222;Varia Variorum&#8220; zu lesen.<\/em><br>&nbsp;<br>&nbsp;<br><a href=\"#top\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"latein1900\"><br><br>Latein am WG um 1990<\/h2>\n\n\n\n<p>Als Erg\u00e4nzung, f\u00fcr alle, die es interessiert: eine Zusammenstellung, die uns ein Abiturient von 1992 geschickt hat, &#8211; also: ein Bild des Lateinlehrgangs vor gut zehn Jahren. &#8211; Berichterstatter: Christian Burkert, Abiturient von 1992. &#8211; Hier seine \u00dcbersicht (Kommentare z.T. von uns):<br><br>Klasse 5 bis Ende 8, also vier lange Jahre lang: &#8222;Roma. Grundlehrgang in vier B\u00e4nden. Bayerischer Schulbuchverlag.&#8220;&nbsp; &#8211; Vier bunte B\u00fccher mit vielen bunten Bildern. Sehr \u00fcbersichtlich, auf den ersten Blick \u00fcberaus ansprechend, von manchen auch nachtr\u00e4glich noch hoch gesch\u00e4tzt. &#8211; Trotzdem: F\u00fcr Sch\u00fcler und Lehrer ein m\u00fchsames Gesch\u00e4ft: alle diese B\u00fccher in vier m\u00fchsamen Jahren gr\u00fcndlich durchzuackern; &#8211; allerdings: in den vier B\u00e4nden wird immerhin das gesamte \u00fcberlieferte Grammatikpensum sorgf\u00e4ltig, \u00fcbersichtlich und sehr systematisch vorgef\u00fchrt.<br><br>Leider sind die Texte (vor allem in den ersten B\u00e4nden),&nbsp; nicht nur nach Meinung unserer Kollegen, z.T. so schlecht, so \u00f6de und so wenig motivierend, da\u00df das WG sich inzwischen von diesem Buch getrennt hat (s.o.). &#8211; Die Eltern? &#8211; Sie haben das Buch geliebt, weil es ganz \u00fcbersichtlich war, weil es genau dem Latein entsprach, das sie selbst vor 40 oder 50 Jahren gelernt hatten &#8211; und weil sie, wenn sie mit ihren Kindern Schularbeiten machten (selbstverst\u00e4ndliche Pflicht vieler M\u00fctter &#8211; und weniger V\u00e4ter),&nbsp; jederzeit genau sehen konnten, was grammatisch gerade genau &#8222;dran war&#8220;.<br><br>Dann,&nbsp; Klasse 9: Caesar, de bello Gallico. &#8211; Zum Schlu\u00df des Jahres noch ein paar Gedichte von Catull (jeder wei\u00df, welche Auswahl gemeint ist: &#8222;passer mortuus est &#8230;&#8220; oder: &#8222;miser Catulle &#8230;&#8220;). &#8211; Beides: am Ende denn doch nicht so schlecht f\u00fcr den Anfang der Lekt\u00fcre, denn Caesar, wenn er nicht uferlos pr\u00e4sentiert wird, wenn keine Br\u00fccken gebaut, keine Schlachten geschlagen und keine V\u00f6lker vernichtet werden, kann durchaus anregend und nachdenkenswert sein, &#8211; und eine echte &#8222;Caesar-Periode&#8220; (s.u.) sollte eigentlich zur Grunderfahrung eines jeden geh\u00f6ren, der einmal Latein gelernt hat.<br><br>Klasse 10: Vier Reden gegen Catilina (vollst\u00e4ndig? &#8211; wohl doch nur in Auswahl?). &#8211; Ovid, Metamorphosen, nat\u00fcrlich in Auswahl.<br><br>Klasse 11 (Vorstufe): Plinius, Briefe. &#8211; Sallust, Catilina. &#8211; und noch einmal: Ovid, Metamorphosen.<br><br>Oberstufe:<br><br>1. Semester: Livius, ab urbe condita. &#8211;&nbsp; F\u00fcr alle: 3.Dekade (2.punischer Krieg); zus\u00e4tzlich, nur f\u00fcr den Leistungskurs: 1.Dekade (Gr\u00fcndung Roms, K\u00f6nigszeit &#8230;).<br><br>2. Semester: Vergil, Aeneis. &#8211; F\u00fcr alle: 1.Buch und 4. Buch (Beginn und Dido &#8230;); zus\u00e4tzlich, nur f\u00fcr den Leistungskurs: 6.Buch (Aeneas in der Unterwelt).<br><br>3. Semester: Darstellung des Prinzipats in der r\u00f6mischen \u00dcberlieferung (Vergil und Livius), mit vergleichendem R\u00fcckblick auf die sp\u00e4trepublikanische Darstellung bei Sallust (s. Klasse 11).<br><br>4. Semester: Tacitus, Annalen. &#8211; Horaz in Auswahl.<br><br>Pers\u00f6nlicher Kommentar von Chr. Burkert: &#8222;Ich selbst bin erst in der achten Klasse dazugekommen, habe also die ersten Jahre des Grundlehrgangs nicht am WG miterlebt. Da ich urspr\u00fcnglich auf einem neusprachlichen Gymnasium war ( Latein erst ab Klasse 7), entdeckte ich meine Liebe f\u00fcr das Lateinische auch erst in Klasse 7.<br><br>Meine Begeisterung (dort geweckt!) war allerdings so gro\u00df, da\u00df ich den Sprung auf das altsprachliche Gymnasium wagte und den Grundlehrgang &#8222;in Kompaktform&#8220; absolvierte. Es war nicht schwer. &#8211; Vielleicht erkl\u00e4rt diese Begeisterung auch die Tatsache, da\u00df ich mich heute, nach mehr als zw\u00f6lf Jahren, noch an viele Einzelheiten erinnere.<br><br>Da\u00df allerdings aus meiner Begeisterung ein schulischer Erfolg und sogar ein Studium des Lateinischen und des Griechischen wurde, habe ich vor allem dem hervorragenden Unterricht bei Herrn Dr. Peters und, ab Klasse 11, bei Frau Dr. Sch\u00fcrhoff zu verdanken.<br><br>Wobei ich nicht verhehlen will, da\u00df wir &#8211; vor allem in den sp\u00e4teren Klassen &#8211; ob der Menge der zu \u00fcbersetzenden Zeilen oft gejammert haben. &#8211; Erst sp\u00e4ter, auf der Universit\u00e4t, habe ich erkannt, wie gut es war, all diese Texte gelesen zu haben: Kaum ein anderer der Studienanf\u00e4nger hatte soviel gelesen und war so \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge belehrt worden wie wir am WG.<br><br>Es kann also festgestellt werden, da\u00df der Lateinunterricht am WG, wie ich ihn erleben durfte, ein damals f\u00fcr die Hamburger Gymnasien \u00fcberdurchschnittlich hohes Niveau hatte.&#8220;<br><br>Soweit Christian Burkert. &#8211; Kommentar von Dr. Silke Petersen, die in Hamburg und an anderen Universit\u00e4ten Theologie unterricht (Neues Textament, also auch: Griechisch): &#8222;Sie werden es nicht glauben, wie riesengro\u00df der Unterschied ist zwischen den Studenten und Studentinnen, die vom WG kommen (sie selbst ist Abiturientin von 1984) &#8211; und den meisten anderen, &#8211; nicht nur in der Beherrschung der griechischen Sprache (dies sowieso), sondern auch in der \u00dcbersicht \u00fcber alle wichtigen Zusammenh\u00e4nge &#8230; &#8211;&nbsp; Es sind alles sehr freundliche, willige, lerneifrige Menschen, aber bei den meisten mu\u00df man bei Null anfangen &#8230;&#8220;. &#8211;<br><br>Ich w\u00fcrde es nicht glauben, wenn ich es nicht auch von anderen Seiten geh\u00f6rt h\u00e4tte.<br>Schulz<br>&nbsp;<br>&nbsp;<br><a href=\"#top\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"caesar\"><br><br>Pers\u00f6nlicher Nachtrag, betr. die Caesar-Lekt\u00fcre:<\/h2>\n\n\n\n<p>Die heute immer wieder ge\u00e4u\u00dferte Ablehnung jeglicher Caesar-Lekt\u00fcre ist verst\u00e4ndlich, wenn man bedenkt, in welch sinnloser Breite gerade die Schlachtenschilderungen aus dem Bellum Gallicum lange Zeit ziemlich unreflektiert den Unterricht der Mittelstufe beherrscht haben. Sie schie\u00dft aber in ihrer rigorosen Art weit \u00fcber das Ziel hinaus: Die Lekt\u00fcre des Bellum Gallicum &#8211; nicht zuletzt \u00fcbrigens auch als Erg\u00e4nzung, als Gegengewicht, als Richtigstellung der Asterix-Texte, die man als &#8222;geheime Miterzieher&#8220; (Fuhrmann) nicht ignorieren sollte &#8211; hat, richtig dosiert und richtig ausgew\u00e4hlt, durchaus ihren Sinn und ihre Berechtigung, kann fruchtbar und motivierend sein und zu vielfachem Nachdenken auffordern.<br><br>Und: was, sprachlich und formal gesehen, die ber\u00fchmte &#8222;Caesar-Periode&#8220; angeht: Diese Erfahrung sollte den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen nicht vorenthalten werden.<br><br>Sie funktioniert ja so: &#8222;Caesar, als er &#8230; erfuhr, da hat er, obwohl ihm &#8230;, trotzdem, weil er n\u00e4mlich meinte &#8230;, es sei das beste &#8230;, unter Beachtung aller Vorsichtsma\u00dfnahmen &#8230;, folgendes gemacht.&#8220; &#8211; So etwas gibt es &#8211; au\u00dfer im Griechischen -, soweit ich es \u00fcbersehe, in dieser Vollendung in keiner anderen Sprache.<br><br>Ich habe daraufhin den gesamten Caesar-Text noch einmal durchgebl\u00e4ttert und zu meiner Verwunderung gemerkt, da\u00df diese wunderbaren S\u00e4tze gar nicht so h\u00e4ufig sind, wie man vermutet. Es gibt sie, aber man mu\u00df sie geradezu suchen. &#8211; Viel h\u00e4ufiger sind sie bei Sallust, der ja, wie man sieht, in den neuen Lehrpl\u00e4nen auch nicht gerade die Beachtung findet, die ihm geb\u00fchrt.<br><br>Ein Beispiel, aus der Coniuratio Catilinae ( 20, 1): &#8222;Catilina, ubi eos, quos paulo ante memoravi, convenisse videt, tametsi cum singulis multa saepe egerat, tamen, in rem fore credens universos appellare et cohortari, in abditam partem aedium secedit atque ibi omnibus arbitris procul amotis orationem huiusce modi habuit: &#8230;&#8220;. &#8211; In schlechter deutscher \u00dcbersetzung, aber die lateinische Satzstruktur etwa nachahmend: &#8222;Catilina, als er sah, da\u00df die Leute, die ich eben aufgez\u00e4hlt habe, sich versammelt hatten, da hat er, obwohl er mit ihnen einzeln schon viel und oft gesprochen hatte, trotzdem, weil er n\u00e4mlich meinte, es sei gut, noch einmal alle gemeinsam anzusprechen und auf den gemeinsamen Plan einzuschw\u00f6ren, sich mit ihnen in den tiefsten Keller zur\u00fcckgezogen und dort, nachdem er alle eventuellen Mith\u00f6rer weit entfernt hatte, eine Rede folgender Art gehalten: &#8230;&#8220;. &#8211;<br><br>S\u00e4tze dieser Art finden sich bei Sallust auf fast jeder Seite, und es ist bedauerlich, wenn gerade diese H\u00f6hepunkte r\u00f6mischer Kunstprosa (ob nun bei Caesar oder Sallust) den Sch\u00fclern vorenthalten werden. &#8211; Nicht zuletzt \u00fcbrigens, weil es gerade hier nicht nur um das pr\u00e4zise Durchschauen der vollendeten lateinischen Satzstruktur geht, sondern auch um die Bem\u00fchung und die Anstrengung, daraus ein ganz anderes, aber nach M\u00f6glichkeit auch vollendetes deutsches Satzgef\u00fcge zu machen.<br><br>Fazit: Durchaus Verst\u00e4ndnis \u00fcber neue Tendenzen in den Hamburger Lehrpl\u00e4nen, aber tiefes Bedauern, da\u00df hier vieles, was das eigentliche Aroma der lateinischen Sprache und der lateinischen Literatur ausmacht, leichtfertig \u00fcber Bord geworfen wird.<br><br>Postscriptum: Einer der wichtigsten, witzigsten, tiefsinnigsten, nachdenklichsten Autoren der sp\u00e4ten Republik (also der Epoche, in der auch Caesar und Sallust geschrieben haben), ein Au\u00dfenseiter, &#8211; aber einer, den Cicero nach seinem Tode ediert hat, von dem Thornton Wilder vermutete, Caesar habe mit bohrendem Neid nur ihn wegen seiner Genialit\u00e4t bewundert, den Goethe gelesen und geliebt hat wie keinen zweiten, &#8211; scheint den Hamburger Lehrplanautoren g\u00e4nzlich unbekannt zu sein: Sie w\u00fcrdigen ihn nicht einmal einer Anmerkung: Lukrez, Titus Lucretius Carus, de rerum natura, Welt aus Atomen, &#8211; mit einer radikalen Abrechnung alles dessen, was die r\u00f6mische und griechische Religion \u00fcberlieferte, &#8211; und: einem Pro\u00f6mium an die G\u00f6ttin Venus, das zum Sch\u00f6nsten der lateinischen Dichtung geh\u00f6rt. &#8211; Schulz<br><br><br>&nbsp;<br><a href=\"#top\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"latein1910\"><br><br>Latein am WG um 1910<\/h2>\n\n\n\n<p>Zum (vorl\u00e4ufigen) Abschlu\u00df dieser Synopse \u00fcber den Lateinunterricht jetzt noch ein kleiner Bericht \u00fcber das Latein am WG, wie es vor etwa einhundert Jahren aussah. Alle, die ein Exemplar unserer Festschrift von 1981 besitzen, k\u00f6nnen es auf den Seiten 64 \/ 65 bequem nachlesen.<br>Was Sie dort finden, ist einer der allj\u00e4hrlich mit penibler Genauigkeit publizierten Berichte \u00fcber alles das, was im vergangenen Schuljahr \u00fcber alle F\u00e4cher hin traktiert wurde. &#8211; Also: kein Plan, sondern eine Rechenschaft \u00fcber das, was tats\u00e4chlich gemacht wurde. &#8211; Erg\u00e4nzend dazu jeweils: die vollst\u00e4ndige \u00dcbersicht \u00fcber die f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr erforderlichen Lehrb\u00fccher (S.86).<br><br>Die abgedruckte Doppelseite stammt aus dem Jahresbericht 1910\/11, ist allerdings willk\u00fcrlich herausgegriffen, denn seit der Gr\u00fcndung der Schule (1881) bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der auch sonst vieles zum Erliegen brachte, sind diese Jahresberichte l\u00fcckenlos erschienen (durch Zufall auch erhalten), und ihr Inhalt ist Jahr f\u00fcr Jahr fast gleich, &#8211; bis auf die Listen der Sch\u00fcler, die &#8222;Wohnungen der Lehrer&#8220;, die Verteilung der Konfessionen und &#8211; nicht zuletzt &#8211; die wissenschaftliche Beilage, die jeweils ein Lehrer aus dem Kollegium beisteuerte, denn: einen wissenschaftlichen Traktat zu schreiben, geh\u00f6rte damals zu den selbstverst\u00e4ndlichen Pflichten der Lehrer.<br><br>Leider ist, wie wir erst nachtr\u00e4glich bemerken, in der Festschrift die \u00dcberschrift fortgelassen, vermutlich aus technischen Gr\u00fcnden. Daher jetzt als Nachtrag: Es geht um die Pensen, die im Schuljahr 1910\/11 tats\u00e4chlich behandelt wurden. &#8211; Die letzte Zeile, betr. das Fach Hebr\u00e4isch, fehlt auch.<br><br>Ein kurzer Vergleich mit anderen Jahresberichten zeigt, da\u00df im Fach Latein von etwa 1881 bis 1914 im wesentlichen derselbe Stoff durchgenommen wurde.<br><br>Wer allerdings den Text der Jahresberichte richtig verstehen will, mu\u00df einige Dinge wissen: &#8222;\u00dcbersetzen&#8220;, was ja in den Tabellen h\u00e4ufiger vorkommt, hei\u00dft: &#8222;\u00dcbersetzen eines deutschen Textes ins Lateinische&#8220;. &#8211; Texte antiker Autoren wurden zwar auch gelegentlich ins Deutsche \u00fcbersetzt, aber nur als Hilfsmittel, &#8211; nur, wenn es n\u00f6tig war, sich zu vergewissern, da\u00df alle den lateinischen Text richtig verstanden hatten. &#8211; Ansonsten wurden die Texte der antiken Autoren &#8222;gelesen&#8220;, so wie man eben deutsche oder englische Texte liest.<br><br>Was die \u00dcbersetzung ins Lateininische angeht: Eine kleine Kostprobe dessen, was unsere Sch\u00fcler damals gelernt hatten und offenbar ohne M\u00fche beherrschten, findet man in unserer Festschrift auf Seite 33: &#8222;Wallenstein, vielleicht der gr\u00f6\u00dfte Feldherr aller Zeiten, von dem kein Geringerer als Moltke gesagt haben soll, da\u00df er &#8230;&#8220; &#8211; ? &#8211; Manch einer w\u00fcrde sich heute vielleicht ein Lexikon holen und befriedigt schreiben: &#8222;Wallenstein, fortasse maximus imperator omnium temporum &#8230;&#8220;. &#8211; Grammatisch ohne Anst\u00f6\u00dfe, aber jeder, der einmal lateinische Texte gelesen hat, wei\u00df, da\u00df dies kein Latein ist, eher so etwas, wie es einem manchmal, scherzhaft, auf Englisch vorgef\u00fchrt wird: &#8222;Na, so was &#8230;!&#8220; &#8211; &#8222;So what &#8230;!&#8220; &#8211; Der Berichterstatter in der Festschrift wei\u00df es besser: &#8222;Wallenstein, quo haud scio an nemo umquam fuerit rerum militarium peritior &#8230;&#8220; (quo: abl. comp.). &#8211; Das soll man erstmal k\u00f6nnen. &#8211; Und bei dem Satz: &#8222;Cicero sagt, wenn wir nur der Natur folgten, w\u00fcrden wir nie etwas falsch machen&#8220;, f\u00e4llt er sofort ein: &#8222;Cicero negat nos, si naturam sequeremur, umquam aberraturos.&#8220; . &#8211; F\u00fcr uns heute: bewundernswert, &#8211; aber eben: tempi passati.<br><br>Nun aber zu den damals gelesenen Autoren:<br><br>Nach dem sprachlichen Grundkurs (Klasse 5 und 6): in Klasse 7 die erste Lekt\u00fcre: Biographien aus Cornelius Nepos: Themistokles, Aristides, Kimon; danach: Curtius Rufus, Alexander der Gro\u00dfe (merkw\u00fcrdigerweise lauter Griechen).<br><br>Klasse 8: Caesar, Bellum Gallicum, Buch 1 bis 4; &#8211; Ovid, Metamorphosen in Auswahl.<br><br>Klasse 9: Caesar, Bellum Gallicum, Buch 5 und 6; &#8211; Caesar, Bellum Civile.<br><br>Klasse 10: Ovid, Metamorphosen, Fortsetzung; &#8211; Vergil, Aeneis, Buch 1 und 2; &#8211; Cicero, 1., 2., 4. Rede gegen Catilina; &#8211; Cicero, Pro Roscio Amerino; &#8211; Sallust, Jugurtha.<br><br>Klasse 11: Vergil, Aeneis, Buch 4, 6, 8, 9, 12; &#8211; Tibull; &#8211; Catull; &#8211; Ovid, Tristien; &#8211; Livius, Buch 21 und 22; &#8211; Cicero, de imp. Cn. Pomp.; &#8211; Cicero, Laelius, de amicitia.<br><br>Klasse 12: Horaz, Oden; &#8211; Horaz, Satiren; &#8211; Cicero, Cato maior; &#8211; Cicero, Somnium Scipionis; &#8211; Cicero, In Verrem, 4. Buch; &#8211; Tacitus, Germania; &#8211; Tacitus, Annalen, Buch 1 bis 3.<br><br>Klasse 13: Cicero, de oratore; &#8211; Cicero, Philosophica in Auswahl; &#8211; Tacitus, Annalen, Buch 11 und 16; &#8211; Tacitus, Historiae, Buch 1 und 2; &#8211; Horaz in Auswahl: Oden, Epoden, Satiren, Episteln.<br><br>Zur Erl\u00e4uterung: Dies ist die \u00dcbersicht f\u00fcr ein Schuljahr (1910\/11): ein Querschnitt, kein L\u00e4ngsschnitt. Jeder wird sich z.B. wundern, warum von Sallust ausgerechnet der &#8222;Catilina&#8220; nicht erscheint, warum von Livius die wunderbaren ersten B\u00fccher fehlen &#8211; Wollte man erforschen, was ein damaliger Sch\u00fcler im Laufe seines Sch\u00fclerlebens wirklich gelesen hat, dann m\u00fc\u00dfte man sich die M\u00fche machen, neun Jahresberichte der Reihe nach zu durchsuchen. &#8211; Dann wird nat\u00fcrlich auch Sallust, Catilina, auftauchen; vielleicht auch Ovid, Amores? Aber ganz bestimmt: die erste Dekade von Livius. &#8211; Dar\u00fcber vielleicht demn\u00e4chst.<br><br>Per Saldo? &#8211; Nicht wenig, zumal wenn man sich ansieht, was zugleich in den \u00fcbrigen F\u00e4chern behandelt wurde: von Religion und Deutsch \u00fcber Griechisch, Franz\u00f6sisch, Englisch bis zu Geschichte, Mathematik und Physik. &#8211; Und: immer wieder erw\u00e4hnt: erhebliche Pensen, vor allem in Religion, Deutsch, Latein, Griechisch: auswendig gelernt, jederzeit verf\u00fcgbar!<br>Schulz<br>&nbsp;<br>&nbsp;<br><a href=\"#top\">zum Seitenanfang<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterrichtsf\u00e4cher am heutigen WG Lateinunterricht am WG: 2021Lateinunterricht am WG: 2005Latein am WG: um 1990Pers\u00f6nlicher Nachtrag, betr. die Caesar-Lekt\u00fcreLatein am WG: um 1910 Lateinunterricht am WG 2021 Der Lateinunterricht ist ein fester Bestandteil des Curriculums unserer Schule. So lernen alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler des Wilhelm-Gymnasiums von der 5. bis zur 10. 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